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Die 38 wichtigsten rhetorischen Stilmittel für geschliffenes Deutsch

Jeder Autor sollte sie kennen und lernen, wie man sie benutzt: Rhetorische Stilmittel sind aus unserer Literatur nicht wegzudenken, auch wenn Begriffe wie Alliteration oder Vulgarismus erstens sehr altertümlich klingen und zweitens weitestgehend unbekannt sind.

Diejenigen Autoren, die Nobelpreisträger werden oder schon geworden sind, haben extrem feines Verständnis für die Sprache, in der sie ihre Bücher schreiben. In der nachfolgenden Liste wollen wir uns den wichtigsten rhetorischen Stilmitteln für geschliffenes Deutsch widmen, viel Spaß damit.

Liste rhetorischer Stilmittel von A bis Z

Hinweis: Diese Liste stellt eine Zusammenfassung der wichtigsten rhetorischen Stilmittel dar. Es gibt noch viel mehr dieser Stilmittel, jedoch kommen die meisten nur sehr selten vor und sind daher (in der heutigen modernen Zeit) nicht mehr relevant.

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Accumulatio
Wörter, die thematisch zusammengehören, werden (meist in einer Art Aufzählung) aneinandergereiht. In vielen Fällen existiert ein offensichtlicher oder nicht definierter Oberbegriff.

Beispiele: „Sonne, Mond und Sterne“ oder „Feder, Tinte und Papier“ oder „Tür und Tor“

Allegorie
Bei einer Allegorie (Verbildlichung) handelt es sich in den meisten Fällen um ein Gleichnis. Präziser: Eine Metapher, die vom abstrakten Gedanken in etwas Konkretes transformiert wird.

Beispiel: Die Darstellung der Justitia (das Weibliche steht für die Gerechtigkeit) mit ihren verbundenen Augen (sie entscheidet ohne Vorurteile) und der Waage (sie „wägt“ ab).

Antithese
Die Antithese stellt eine starke Polarität dar, einen Gegensatz in Gedanken. Es wird eine These aufgestellt und im gleichen Satz mit der Anti-These widerlegt.

Beispiel: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein. (Andreas Gryphius)“ oder „Ihre Augen brannten wie Feuer und ich erschauderte ob der Kälte ihres Blickes. (Frederik Kreijmborg)“

Archaismus
Der Archaismus ist eine Ausdrucksform, die bekannte Wörter mit dem ursprünglichen oder allgemein veralteten Begriff ersetzt. Archaismen sind oft dafür verantwortlich, dass wir bestimmte Wörter, Sätze oder Bücher als „geschwollen“ empfinden!

Beispiele: „gülden“ statt golden; „itzt“ statt jetzt; „Barbier“ statt Frisör; „Oheim“ statt Onkel

Bathos
Es wird ein hoher Wert einem niedrigen Wert gegenüber gestellt.

Beispiel: „Bei dem Unfall habe ich meine Kniescheibe zertrümmert und mir ist ein Fingernagel eingerissen.“

Chiasmus
Chiasmen sind symmetrische Überkreuzstellungen von zusammengehörigen bzw. -passenden Satzteilen. (Schema: .. x , x ..)

Beispiele: „Ich liebe dich, mich liebst du nicht.“ oder „Alles gehört dir, mir gehört nichts.“

Conversio
Das Stilmittel mit dem Namen Conversio bezeichnet die Wiederholung eines einzelnen Wortes am Ende des Satzes.

Beispiel: Seine Bemühungen brachten ihm nichts, wirklich rein (gar)nichts.

Correctio
Eine Verbesserung, häufig in Form einer Steigerung. Eine Aussage wird noch im gleichen Satz korrigiert.

Beispiel: „Das war ein Kampf, nein, ein Gemetzel war das.“

Dysphemismus
Der Präfix „dys“ deutet bereits an, dass es um etwas Schlechtes geht. Der Dysphemismus als Stilmittel ist eine abwertende Umschreibung, ein Schimpfwort oder sogar ein herabwürdigender Neologismus (Wortneuschöpfung).

Beispiele: „Saftschubse“ für Stewardess; „Hartzer“ für Arbeitslose; „Knacki“ für ehemaligen Insassen einer Strafvollzugsanstalt

Ellipse
Bei einer Ellipse (ein häufiges anzutreffendes Stilmittel, das wir in der täglichen Kommunikation unbewusst benutzen) werden Satzteile einfach weggelassen.

Beispiele: „Na und?“; „Und jetzt?“; „Wer? Ich!“; „Was nun?“

Epiphrase
Ein nur scheinbar vollendeter Satz wird durch einen angehängten Nachtrag abgerundet und tatsächlich vollendet. Häufig ist der Nachtrag übrigens eine Übertreibung.

Beispiel: „Du bist ein Lügner und unser aller Verderben.“

Eponomasie
Eine bekannte (fiktive) Persönlichkeit dient als Beispiel und ersetzt den eigentlich gemeinten Begriff.

Beispiel: „den Guttenberg machen“ statt „abschreiben“ oder auch „Dagobert Duck“ statt „Geizhals“

Euphemismus
Der Euphemismus ist eine beschönigende Umschreibung eines eigentlich eher negativen Begriffes. Das Gegenteil ist der oben erwähnte Dysphemismus.

Beispiele: „mutig“ statt „leichtsinnig“; „von uns gehen“ statt „sterben“; „Freudenhaus“ statt „Puff“ oder „Bordell“

Exclamatio
Ein simpler Ausruf in der wörtlichen Rede. Es kann sich um einen Imperativ handeln oder auch eine einfache Interjektion.

Beispiele: „Oh Gott!“; „Hilfe!“; „Diebe!“; „Ups!“

Floskel
Eine Floskel ist eine oberflächliche und meist banale Bemerkung. Die Floskel dient beispielsweise vielen Menschen als Umschreibung ihres Lebensmottos.

Beispiel: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“

Hypallage
Es wird ein Attribut, eine Eigenschaft dem falschen Subjektiv zugeordnet. Oder umgekehrt.

Beispiele: „diese schmale Sonne wärmt noch nicht“; „die stumme Zeit schaut ewig zu“

Hyperbel
Die Hyperbel ist als die bekannte Übertreibung ein weiteres rhetorisches Stilmittel, welches wir wohl täglich benutzen, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Beispiele: „todmüde“; „mutterseelenallein“; „rasend vor Zorn“

Interjektion
Ein Ausruf oder verbalisierter Gefühlsausdruck, der logischerweise von Sprache zu Sprache sehr unterschiedlich sein kann.

Beispiele: „Aua!“; „Bah!“; oder im Englischen „Aw!“

Inversion
Umkehrung der normalen Wortstellung im Satz zur Hervorhebung des Umgestellten. Das vorangestellte Wort soll dadurch noch deutlicher werden.

Beispiel: „Eine Hure bist du!“ (anstelle von „Du bist eine Hure!“)

Klimax
Wörter werden stufenweise gesteigert. Diese Steigerung soll als eine Art Wiederholung die Wichtigkeit der Aussage unterstreichen.

Beispiel: „Jeder Autor sollte die 10, 20, 30 wichtigsten rhetorischen Stilmittel beherrschen.“

Metapher
Das wohl bekannteste Stilmittel ist die Metapher, welche den Ersatz eines beliebigen Wortes durch einen entsprechenden bildlichen Ausdruck bezeichnet. Häufig kommt es vor, dass das ersetzte Wort auch in seiner Sinnhaftigkeit dem Bild entspricht.

Beispiele: „Löwe“ für „mutiger Kämpfer“; „eine Menschentraube“; „Gotteskrieger“; „Knochensack“ für Körper

Neologismus
Der Neogolismus ist als die sogenannte Wortneuschöpfung häufig in der Werbesprache anzutreffen, aber auch im Alltag (er)finden wir ständig neue Wörter.

Beispiele: „Islamophobie“, „Tchibofonieren“, „Eierschalensollbruchstellenverursacher“

Onomatopoesie
Verbale oder schriftliche Lautmalerei. Das Wort klingt so, wie es aufgeschrieben wird.

Beispiele: „Quak!“; „Muh!“; „Bumm!“; „Peng!“; „Flutsch!“; „Es rappelt im Karton.“

Oxymoron
Das Oxymoron bezeichnet das rhetorische Stilmittel des sogenannten „Inneren Widerspruchs“. Nicht zu verwechseln mit dem Paradoxon!

Beispiele: „Minuswachstum“; „alter Knabe“; Spezialfälle (Contradictio in adiecto, dt.: Der Widerspruch in der Beifügung): „stummer Schrei“ oder „offenes Geheimnis“

Paradoxon
Das Paradon ist ein Scheinwiderspruch. Oftmals wird mit dem Paradoxon als Stilmittel einer geläufigen Meinung (absichtlich) widersprochen – das wiederum muss nicht ernst gemeint sein.

Beispiele: „Der Mord am Präsidenten hatte seine Vorzüge.“ oder „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (Sokrates)

Paralipse
Mit einer Paralipse gibt der Autor (oder Redner) vor, einen bestimmten Sachverhalt nicht anzusprechen oder ganz auszulassen, obwohl er genau das Gegenteil davon beabsichtigt.

Beispiel: „Ich möchte Sie nicht in Verlegenheit bringen, Frau Merkel, aber es ist doch offensichtlich, dass Sie das Volk nach Strich und Faden […]“

Parenthese
Ein Einschub eines Wortes oder Satzteils in einen anderen Satz. Die Parenthese dient der Steigerung der Aufmerksamkeit beim Leser oder Zuhörer.

Beispiel: „Ihre Füße – mit Verlaub – duften gar fürchterlich.“

Personifikation
Durch die (als rhetorisches Stilmittel weit verbreitete) Zuweisung menschlicher Eigenschaften an Gegenstände, Tiere oder oder metaphysischer Begriffe können Sachverhalte sehr überzeugend und eindrucksvoll dargestellt werden.

Beispiel: „Die Sonne lacht“; „Der Himmel weint“; „Vater Staat“; „Mutter Erde“; „Gevatter Tod“; auch: „Mein Schwein pfeift“

Pleonasmus
Der Pleonasmus ist die Bezeichnung für die Verbindung sinngleicher Wörter, die im Gegensatz zu einer reinen Aufzählung verschiedenen Wortarten (Nomen, Verben, Adjektive, Adverben) angehören.

Beispiel: „dummer Idiot“; „lustiger Clown“; „brutal zerfleischen“; „leise flüstern“

Rhetorische Frage
Muss ich das wirklich erklären? – Die rhetorische Frage erwartet keine Antwort, sondern liefert sie meist schon mit. Jedoch legt der Autor oder Redner die Antwort (meist Ja oder Nein) für sich fest – oftmals entstehen Missverständnisse bei rhetorischen Fragen, weil der Leser oder Zuhörer nicht erkennt, dass die Frage rhetorisch gemeint ist!

Beispiel: „Willst du mich verarschen?“; „Kannst du mich nicht einmal in Ruhe lassen?“; „Soll ich mich etwa unsichtbar machen?“

Sustentio
Überraschung!

Beispiel: „Wer fleißig betet, stirbt doch in Angst.“

Symbol
Das Symbol als (rhetorisches) Stilmittel begegnet uns täglich. Unsere gesamte Welt und unsere Wahrnehmung davon basiert zu großen Teilen auf Symbolen. Symbole sind nicht a priori (lat. „vom Früheren her“) mit dem jeweiligen Begriff verknüpft, sondern unterscheiden sich von Kultur zu Kultur und können auch im Laufe der Zeit andere Bedeutungen erhalten.

Beispiele: Mittelfinger zeigen für „du kannst mich mal“; weiße Tauben für den Frieden; das rote Herz für die Liebe; Hakenkreuz (ursprünglich das „Sonnenrad“) für Nationalsozialismus nach Hitler

Synästhesie
Mit der Synästhesie werden verschiedene Sinne bzw. Sinneseindrücke verbunden.

Beispiele: „So frisch klingt nur der Sommer“ oder „Ich kann dieses Bild förmlich hören“ (bezogen auf „Der Schrei“ von Edvard Munch)

Synekdoche
Ersetzung durch numerisch verwandten Begriff: Teil/Ganzes, Gattung/Art, Singular/Plural, früheres/späteres

Beispiele: „Motor“ für Automobil; „der Deutsche“ für viele Deutsche; „Sporen“ für Pilz

Tautologie
Eine Tautologie bezeichnet die sinngemäße Wiederholung eines Wortes mit einem anderen der gleichen Wortart.

Beispiele: „hegen und pflegen“; „Tod und Teufel“; „Zeter und Mordio“; „schlagen und treten“

Vergleich
Hierbei handelt es sich um eine Veranschaulichung, die durch ein entsprechendes (zur Sache passendes) Vergleichwort deutlich gemacht wird.

Beispiele: „klein wie eine Bazille“; „süß wie eine Erdbeere“; „schlau wie ein Fuchs“

Vulgarismus
Der Vulgarismus bezeichnet eine harte, meist ordinäre Ausdrucksweise. Die vulgäre Sprache ist meist gleichbedeutend mit der sogenannten „Fäkalsprache“.

Beispiele: „kacken“; „verrecken“

Zeugma
Das Zeugma verbindet Satzteile, die eigentlich nicht zusammen gehören.

Beispiele: „Sie strickte viele Pullover und noch mehr Lügen.“

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Zwei Ratgeber für rhetorisch versierte Autoren

Die obige Liste der rhetorischen Stilmittel ist zwar sehr umfangreich – komplett ist sie jedoch nicht. Um sämtliche stilistischen Mittel stets zur Hand zu haben, empfehle ich dringend, eines der zwei hier vorgestellten Büchlein zu bestellen und am Arbeitsplatz griffbereit zu deponieren.

Compendium Rhetoricum von Hans Baumgarten

Dieses kleine Kompendium fasst die wichtigsten Stilmittel nochmals zusammen und belegt sämtliche Definitionen mit mindestens einem deutschen und einem lateinischen Beispiel.

Besonders die lateinischen Beispiele sind sinnvoll, da sie dem Leser klarmachen, wie die einzelnen Stilmittel überhaupt entstanden sind und welche ursprünglichen Bedeutungen sie haben. Empfehlenswert für Autoren, Werbetexter, Blogger und Schüler und Studenten.

Rhetorik von Aristoteles

Aristoteles – der im Titelbild dieses Artikel zusammen mit Plato dargestellt wird – gilt als einer der größten Redner seiner Zeit. Sein Werk mit dem schlichten Namen „Rhetorik“ ist auch heute noch eine brauchbare Lektüre für all jene Autoren, die mehr über die hohe Redekunst und ihre Ursprünge erfahren möchten.

Dieses kleine Büchlein ist auch nach 1000 und mehr Jahren eine Quelle der Weisheit für Leute, die Spaß daran haben, die Sprache in vollem Glanze erstrahlen zu lassen!

Anmerkungen und eine Bitte an den Leser

Diese Liste zu erstellen war eine spannende und aufwändige Arbeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich möchte jedoch keineswegs die alleinige Urheberschaft an dieser Zusammenfassung beanspruchen, daher sollen auch meine Quellen nicht ungenannt bleiben: Liste rhetorischer Stilmittel (Wikipedia), Rhetorisches Stilmittel (Wikipedia) und das erwähnte Büchlein von Hans Baumgarten: Compendium Rhetoricum.

Meine Bitte ist einfach: Wer Fehler im Text oder in den einzelnen Beschreibungen findet, soll mich bitte darauf aufmerksam machen. Auch dann, wenn – deiner Meinung nach – bestimmte rhetorische Stilmittel in dieser Liste fehlen, kannst du das gern per Kommentar oder per E-Mail mitteilen.

Plato und Aristoteles von Raphael Sanzio, CC 2.0 by Image Editor / Flickr