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Realistische Schreibziele setzen (und erreichen)

Realistische Schreibziele

Was geht und was nicht geht, das ist hier die Frage. Nicht die Anzahl der Worte, sondern ihre Relevanz sollte im Mittelpunkt stehen.

Eine der häufigsten Beginnerfragen, die wir in Foren und in Blogs lesen können, lautet: „Wie viele Wörter schafft ihr so pro Tag?“ – So als wäre es eine Art Wettbewerb, als hätte sich mit Beginn der Selfpublishing-Ära das Motto „Quantität statt Qualität“ durchgesetzt, klammheimlich, unheimlich.

Versuchen wir also die Fesseln der Zahlen abzuschütteln, um in deine individuelle Komfortzone vorzudringen. Denn darin liegt dein Schaffen begründet und auch der Erfolg deines Werks.

Es verhält sich beim Schreiben ein wenig wie mit dem Binden der Schuhe oder dem Fensterputzen oder auch dem Herstellen von Rührei: Jeder macht es auf seine Weise. Das Endergebnis ist meist sehr ähnlich, aber nie dasselbe.

Bei Literatur kommt es nicht darauf an, einen Stil oder eine bestimmte Vorgehensweise zu kopieren, sondern sich selber zu (er)finden. Und das geht am besten in deinem persönlichen Rhythmus.

Deadline VS Laissez-faire

„Das Buch muss in zwei Monaten fertig sein. Bis dann“ – So oder so ähnlich lauten die Worte, die Berufsautoren Angst machen können. Manche beflügelt der Druck, andere werden davon zerquetscht. Entsprechend gepresst kommen dann auch ihre Werke daher.

Schreiberlinge, die noch kein Buch veröffentlicht haben und auch noch keinen Verlagsvertrag haben (also gefühlt 99% aller „Betroffenen“), müssen sich ihre Deadline bei Bedarf selber setzen. Aber da verhält es sich ein wenig wie bei Diäten und sämtlichen Neujahrsversprechern, Verzeihung!, Neujahrsversprechungen.

Es hört sich einfacher an als es ist. Der Mensch verlässt sich gerne auf den Druck von außen. Oder auf den von oben.

Es ist kein Zufall, dass die meisten Menschen als Angestellte ihren Lebensunterhalt verdienen. Freie Berufe, vor allem kreative Jobs, bieten keine Sicherheit, kein Netz und keinen doppelten Boden.

Vielleicht kennst du den Merkspruch für die Selbständigkeit? „Selbst und ständig!“ – Klingt plump, ist aber wahr.

Sobald man ein Buch beginnt, handelt man selbständig. Niemand hält einem die Hand.

Ob Deadlines geeignet sind, um voran zu kommen, muss man ausprobieren. Oder vielleicht erinnert man sich an die Schulzeit: Wann hattest du mehr Freude beim Schreiben – bei Klassenarbeiten mit Zeitlimit? Oder bei freien Projektarbeiten, wie es sie leider immer seltener gibt? Unser Grundschulklassenlehrer hat uns beispielsweise in der vierten Klasse frei schreiben lassen, nicht einmal Themen waren vorgegeben. Wer wollte, konnte seine Geschichten nach einigen Stunden Schönschriftschreiben der Klasse vorlesen.

Manchen ist das ein Graus, da sie sich nicht gut selber motivieren können. Alles erscheint unsinnig und fühlt sich gar wie reine Zeitverschwendung an.

Man muss sich von der romantischen Vorstellung des Schriftstelleralltags verabschieden und der Realität ins Auge blicken: Die Geschichte schreibt sich nicht von allein.

Beide Methoden – mit und ohne Deadline – haben ihre Vor- und Nachteile. Spätestens dann, wenn man sich auf einen Verlag „eingelassen“ hat, wird einem Laissez-faire schnell ausgetrieben.

Brauche ich eine Eieruhr?

Manche schwören auf den Gebrauch von Eieruhren oder Smartphone-Apps, die Eieruhren nachmachen. Interessante Erfahrungsberichte habe ich hier, dort, an dieser und an jener Stelle gefunden.

Der Begriff Pomodoro wird jedem begegnen, der sich mit der „Produktivitätssteigerung“ beschäftigt. Es handelt sich um eine Technik, bei der man Arbeiten bewusst unterbricht, um neue Kraft zu schöpfen.

Die Pomodoro-Technik ist die geläufigste und ist aufgeteilt in 25 Minuten Schaffenszeit und 5 Minuten Pause.

Es gibt noch andere Methoden, die bei der Recherche mit einer beliebigen Suchmaschine zutage gefördert werden können. Diese variieren die Länge der Pausen, einige empfehlen, mehr Zeit für die kreative Phase zu opfern.

Ob man schließlich zur (digitalen) Eieruhr greifen sollte, muss man ebenfalls ausprobieren. Es wird wohl eher selten vorkommen, dass man „zu viel“ schreibt, daher helfen tickende Uhren vor allem denen, die zu schnell aufgeben.

Es fühlt sich nicht gut an, wenn man das Werk ruhen lässt, bevor nicht der Wecker geklingelt hat. Reine Psychologie also, obwohl es bestimmt auch Menschen gibt, die schlicht und ergreifend das Tick-Tack der Uhr beruhigend finden.

Der Vorteil gegenüber einer an ein festes Datum in der Zukunft gebundenen Deadline ist wenig überraschend: Eine Geschichte von beliebiger Länge wird bei konsequenter Nutzung der Schreibzeiten relativ schnell fertig. Und das ohne Druck.

Das Zielgerade im Blick behalten

Es gibt tapfere Autoren und Schriftsteller, die stürzen sich in den Textfluss und und tauchen darin ein, als wüssten sie nichts Schöneres.

Texte müssen ja nicht geschrieben werden! Es ist eine Frage des Willens.

Man kann einfach losschreiben, hier und da Kapitel einfügen, dort etwas einklammern, für später, und dann nochmal das erste Kapitel schreiben, weil man es sich anders überlegt hat.

„Irgendwie wird das schon klappen“, denkt man sich. Und nicht selten behält man Recht.

Literarische Texte entstehen organisch, sie folgen dabei simplen Regeln, die wir aus Traditionen abgeleitet haben.

Eine Fähigkeit eint alle Schreibenden, die ein Werk vollenden: Sie behalten die Zielgerade im Blick, in guten wie in schlechten Zeiten.

Sie wissen, dass es irgendwann vorbei ist, dass die Geschichte ein Ende finden wird. Im Idealfall weiß man es schon, denn dann kann man sich „von hinten nach vorn“ durch den Text bewegen.

Gehört dazu: Rückschläge einstecken

Es klappt nicht immer so, wie man das will. Vor allem Romane sind problematisch. Es vergeht viel Zeit, bis die Geschichte zu Papier gebracht wird.

Es kommen Momente, in denen man alles hinschmeißen will. So wie ein Maurer beim Hausbau die Steine schief einmörteln kann, kann der Schriftsteller das falsche Wort an der falschen Stelle einfügen. So etwas passiert. Schlimm wird es erst, wenn man die „Grundmauern“ der Geschichte wieder einreißen muss, weil man Logikfehler findet. Das tut weh. Dann macht das Schreiben keinen Spaß mehr.

Der Architekt kann noch so gute Arbeit leisten, wenn der Maurer für einen Moment „pennt“, dann kann dies das Aus für einen Arbeitstag bedeuten.

Nur weil man mal einen Fehler macht und Wörter, Sätze, ganze Kapitel entfernen muss, heißt das noch lange nicht, dass das Bauprojekt „gestorben“ ist.

Man muss sich durchbeißen. Manche Autoren gehen davon aus, dass jeder Tag ein erfolgreicher Schreibtag sein muss. Das ist utopisch, übertrieben romantisch und schlicht falsch.

Realistische Schreibziele sind der Schlüssel. Man muss sich Ziele setzen, die man erreichen kann. Solche, die einen fordern, aber nicht überfordern.

In der Videospielbranche gibt es eine berühmt-berüchtigte Firma, deren Motto da lautet: „It’s done when it’s done“ (→ „Duke Nukem Forever Timeline“)

Ein Spiel, dass bereits 1997 angekündigt wurde, kam erst 2011 auf den Markt. Alle hatten mit einem „Hit“ gerechnet, dieser blieb allerdings aus…

Solange man keinen Verlag im Rücken hat (oder besser im Nacken), ist das Motto von 3D Realms sehr heilsam. Wenn man kontinuierlich am eigenen Werk arbeitet, dann muss es irgendwann fertig werden. Manchmal dauert es Wochen, manchmal Monate, manchmal Jahre.

Was heißt „realistisch“ genau?

Nehmen wir einen handelsüblichen Roman mit einem Umfang von 350 Normseiten als Grundlage für unsere Berechnungen. Eine Normseite hat (je nach Berechnungsmethode) 1500 bis 1800 Zeichen, umgerechnet 200 bis 300 Wörter.

Wir kommen auf 350×250 Wörter, also knapp 90.000 insgesamt.

Stephen King berichtet in seinem Schreibratgeber „On Writing“ von einem persönlichen Tagessoll von 1000 Wörtern. Theoretisch könnte er also den handelsüblichen Roman in drei Monaten schaffen. Tut er sogar, wenn er einmal in Fahrt ist.

Bei 500 Wörtern pro Tag (2 Normseiten) bräuchte er ein halbes Jahr.

Bei nur 250 Wörtern pro Tag (= 1 Normseite) bräuchte er logischerweise so viele Tage wie das Buch Seiten haben soll. Das wiederum weiß man nicht unbedingt so genau, wenn man mit dem Schreiben beginnt.

Für Anfänger empfiehlt es sich, erst einmal nur eine Seite einzuplanen. Eine Normseite pro Tag. Das schafft jeder, der die Geschichte, die in ihm köchelt, alsbald servieren möchte.

Wenn das gut klappt, dann kann man sich an zwei Normseiten versuchen, etc. etc. etc.

Man kann das alles auch in Zeitabschnitten messen.

Ich schreibe z.B. an einem guten Tag 500 Wörter pro Stunde und an exzellenten Tagen verbringe ich bis zu vier Stunden schreibend; macht 2000 Wörter.

Theoretisch wäre ich schon nach 45 Tagen mit dem Roman fertig, wenn da nicht die Ausnahmen von der Regel wären. An einigen Tagen komme ich überhaupt nicht zum Schreiben, da sind nicht einmal 1000 Wörter drin. Auch nicht 500 und 250 schon gar nicht, denn das wäre mir persönlich ohnehin zu „popelig“.

„Realistisch“ ist kein absoluter, objektiver Begriff. Wenn man das Fremdwort frei mit „machbar, schaffbar“ übersetzt, wird klar, wie variabel das alles ist. Jeder Mensch schreibt anders, hat andere Techniken…

1400 Wörter

Für diesen Beitrag habe ich 2 Stunden benötigt. Nicht-literarische Texte sind für mich nicht so anstrengend, da kann man auch „labern“, wenn es den Lesefluss nicht behindert. So wie jetzt gerade.

Aufgehalten wurde ich eher durch die Recherche (Beispiele oben) und das Editieren des Entwurfs.

Aber das ist ein ganz anderes Thema, was wir hoffentlich bald in unserem Blog behandeln können.

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