Volksballade

Begriff Kommt von dem lateinischen Wort “ballare” (tanzen) und bezieht sich ursprünglich auf Tanzlieder.
Definition Die Volksballade ist eine der zwei im deutschen Raum verbreiteten Arten von →Balladen. Im Gegensatz zur →Kunstballade zeichnet sie sich dadurch aus, dass nicht genau festlegbar ist, wer sie wann erfunden hat. Sie wurde mündlich weitergegeben und gegebenenfalls an das entsprechende Milieu angepasst. Volksballaden erheben mit ihren einfachen lyrischen liedhaft formulierten Erzählungen keinerlei Wahrheitsanspruch.
Verwendung Zur Unterhaltung des Volkes hat dieses die Volksballade selbst hervorgebracht und verbreitet. Daher findet man vor allem Stoff, der das Volk bewegt – also Liebesgeschichten oder das arm-reich Gefälle der Gesellschaft.
Beispiel Es waren zwei Königskinder

Es waren zwei Königskinder,
Die hatten einander so lieb,
Sie konnten zusammen nicht kommen,
Das Wasser war viel zu tief.

„Ach Liebster, könntest du schwimmen,
So schwimm doch herüber zu mir!
Drei Kerzen will ich anzünden,
Die sollen leuchten zu dir.”

Das hört’ eine böse Nonne,
Die tat, als wenn sie schlief;
Sie tat die Kerzlein auslöschen,
Der Jüngling ertrank so tief.

„Ach Fischer, liebster Fischer,
Willst du verdienen groß Lohn?
So wirf dem Netz ins Wasser
Und fisch mir den Königssohn!”

Er warf das Netz ins Wasser,
Es ging bis auf den Grund;
Er Fischte und fischte so lange,
Bis er den Königssohn fand.

Sie schloß ihn in ihre Arme
Und küßt’ seinen bleichen Mund:
„Ach Mündlein, könntest du sprechen,
So war mein jung Herze gesund.”

Sie schwang um sich ihren Mantel
Und sprang wohl in die See;
„Ade, mein Vater und Mutter,
Ihr seht mich nimmermehr!”

Da hörte man Glocken läuten,
Da hörte man Jammer und Not:
Da lagen zwei Königskinder,
Die waren beide tot.