Sonett

Begriff Von lat. sonus (Klang, Schall) bedeutet Sonett “Kleines Klangstück”.
Definition In der italienischen Originalform besteht ein Sonett aus vier Strophen, von denen die ersten beiden Vierzeiler – Quartette – sind und die letzten beiden Dreizeiler – Terzette.
Dabei sind die einzelnen Zeilen elfsilbig mit weiblicher Kadenz, was im übertragenen Sinne einem Jambus entspricht. In der Urform des Sonnets wird in der ersten Strophe die These vorgestellt, woraufhin in der zweiten Strophe eine Antithese folgt und in den beiden Terzetten die Synthese dargestellt wird.
Andere Länder, andere Sitten zählt jedoch auch beim Sonett. Beinahe jedes dichtende Volk hat das Sonett seinen Bedürfnissen angepasst. Ein Beispiel dafür ist das →Englische Sonett.
Verwendung Da sich Sonette durch die Jahrhunderte großer Beliebtheit erfreut haben, gibt es nahezu kein Thema, was sie nicht behandeln wurden.
Beispiel An eine Geschminkte (Gryphius)

Was ist an Euch, daß Ihr Euch eigen möget nennen?
Die Zähne sind durch Kunst in leeren Mund gebracht,
Euch hat der Schminke Dunst das Antlitz schön gemacht.
Daß Ihr tragt fremdes Haar, kann leicht ein jeder kennen

Und daß Eur Wangen von gezwungner Röte brennen,
Ist allen offenbar. Des Halses falsche Pracht
Und die polierte Stirn wird billig ausgelacht,
Wenn man die Salben sich schaut um die Runzeln trennen.

Wenn dies von außen ist, was mag wohl in Euch sein
Als List und Trügerei. Ich bild mir sicher ein,
Daß unter einem Haupt, das sich so falsch gezieret,

Auch ein falsch Herze steh, voll schnöder Heuchelei.
Samt eim geschminkten Sinn und Gleisnerei darbei,
Durch welche, wer Euch traut, wird jämmerlich verführet.