“Döner-Morde” – Das Unwort des Jahres 2011

by Wort/Satz/Buch on 17. Januar 2012 · 2 comments

Da werden sich sämtliche Alis, Murats und Mustafas sicherlich freuen. Endlich bekommen sie die Aufmerksamkeit, die sie schon lange verdienen!

“Döner-Morde” ist das Unwort des Jahres 2011 – satte 269 Mal wurde das Wort eingereicht.

Die Begründung der Jury zur Kürung dieses Unworts lautete sinngemäß: “Das Wort verharmlost die Mordserie an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer. Somit werden ganze Bevölkerungsgruppen diskriminiert, weil man sie auf dieses Imbissgericht – den Döner – reduziert.”

Ich finde dieses Unwort unwürdig, um quasi einen Preis abzustauben.

Es ist ein typisches Schlagwort, wie es die BILD-Zeitung benutzt und daran ist doch nichts auszusetzen, oder etwa doch?

Die Gutmenschen in der Jury sind offensichtlich anderer Meinung – was hältst du davon?

Bild CC 2.0 by beggs / Flickr

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Kalliope Januar 17, 2012 um 15:09

Ich habe vor einigen Wochen ein Interview mit einer Dame im Radio gehört, die in der Jury für das Unwort des Jahres sitzt. Bereits zu dem Zeitpunkt hat sie diese Argumentation verfolgt und ich muss sagen, dass ich ihr da recht gebe. Es hat mich sehr negativ überrascht, wie schnell sich dieses Wort ausgebreitet hat, bis hin in die “heute”-Nachrichten, dabei war “nur” einer der Ermordeten tatsächlich Verkäufer in einem Döner-Laden. Und davon abgesehen empfinde ich das Wort tatsächlich als verharmlosend und diskriminierend. Dass darauf auch mal öffentlich hingewiesen und das Wort nicht nur unreflektiert weiter verwendet wird, finde ich persönlich wichtig.

Wort/Satz/Buch Januar 20, 2012 um 16:52

Da investigativer Journalismus quasi tot ist, muss man heute auf solche Schlagworte zurückgreifen, um überhaupt noch gelesen zu werden.

Dieser Artikel z.B. ist einen Tag online und schon kommt eine Rückmeldung – ich habe hier Artikel mit 1000+ Worten, die scheinbar kein Schwein interessieren…

Ich bezweifle, dass jemand mehr reflektiert, nur weil ein Wort zum Unwort gekürt wird.

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