Kreativität steigern: Der perfekte Ort für kreatives Schreiben

by Wort/Satz/Buch on 3. September 2010 · 1 comment

Kreatives Schreiben will gelernt sein, auch wenn es tatsächlich Autoren und Schriftsteller geben soll, die talentiert genug sind, um beispielsweise auf Schreibschulen verzichten zu können. Je mehr Prämissen der angehende Schreiberling aufstellt, desto mehr Bedingungen müssen er und seine Umgebung erfüllen, um die quasi kosmische (und launische) Quelle der Kreativität anzapfen zu können.

Da immer mehr Menschen Schrifsteller, Autoren und sogar Ghostwriter werden wollen, soll es in diesem Artikel darum gehen, welche Orte für kreatives Schreiben wahrscheinlich am besten geeignet sind.

In der Toilette schreiben

Wer kennt das nicht? Man sitzt gemütlich auf der Toilette und wartet darauf, längst Verdautes runterspülen zu können, um Platz für Neues zu schaffen und in diesem äußerst wichtigen Vorgang passiert etwas Tolles: Der Geistesblitz ereilt dich. Auf diese und jene Idee hast du dein ganzen Leben lang gewartet…

Schlaue Autoren nutzen das Potential, das in den engen Räumlichkeiten einer anonymen Toilette steckt, und sammeln ihre grandiosen Einfälle für das nächste Buch sitzend. Tatsächlich gilt das Badezimmer (Dusche, Badewanne, Klo) als wahre Schatztruhe der Kreativität. Sehr viele Menschen haben ihre besten Einfälle, während sie duschen, baden, ihre Zähne putzen, die Haare fönen oder eben ihre Darmabfälle entsorgen.

Eigentlich logisch, denn das oben Erwähnte meine ich durchaus ernst: Alle Vorgänge im Bad gelten dem Loslassen und Platzmachen. Zumindest ein kleines Notizbuch im Badezimmerschrank kann nicht schaden!

Im Wald schreiben

Der Wald gibt Naturmenschen Kraft und Energie, die sie in der Stadt nicht haben (oder zumindest glauben sie, sie hätten sie dort nicht). Wälder sind meist ruhig und die einzigen Geräusche sind natürlich: Dort ein Vogel, der zwitschert, hier eine summende Biene, im Unterholz knacken Äste, weil Rehe einen Spaziergang machen, je nach Wohnort hört man sogar seltene Tiere reden (Eulen, Uhus, Habichte, Wölfe, Bären, etc).

Ziemlich inspirierend, wenn du mich fragst. Hinzu kommen all die Düfte, die eine abgehärtete Stadt-Nase erst nach einigen Stunden in der Wildnis wahrnehmen wird. Der Wald ist vermutlich einer der schönsten Orte, die die Natur uns (für kreatives Schreiben) bietet – zum Glück hat zumindest in Deutschland jeder angehende Schriftsteller einen Wald in der Nähe. Nur den Hintern muss man hochkriegen, aber das ist eine andere Frage.

Im Café schreiben

Wer die Erfolgsgeschichte von Harry Potter beziehungsweise seiner geistigen Mutter J.K. Rowling kennt, weiß vermutlich, dass die Romanreihe angeblich auf Servietten im Lieblingscafé der genannten Autorin ihren Anfang nahm!

Wer um dieses Geheimnis weiß, der wundert sich natürlich nicht darüber, dass die Cafés heutzutage von Macbookträgern, iPad-Besitzern und Smartphone-Fetischisten nur so wimmeln! Wer Glück hat, der kann manchmal einen einsamen Schreiberling mit einem altmodischen Notziblock (oder eben einer Serviette) in der Hand sehen. Der Bleistift steckt meist intellektuell im Mundwinkel und dann wird der nächste Bestseller geschrieben.

Cafés bieten tatsächlich eine beruhigende Atmosphäre, die die Kreativität unter Umständen fördern oder sogar steigern kann: Man ist mitten im Leben, wenn man sich in einem Café aufhält. Für gesellschaftskritische oder schlicht die Story des Typen von nebenan erzählende Werke demnach bestens geeignet. Wissenschaftler, die sich den Sachbüchern verschrieben haben, schreiben wohl lieber woanders.

Im Zug schreiben

In den modernen Zügen von heute zeigt sich ein ähnliches Bild wie in den gerade genannten Cafés: Die diversen Unterhaltungs- und Arbeitstechnologien (Notebook, Smartphone, Handy) haben längst die Macht in ehemals nur vom Rattern des schweren Zuges gestörten Abteilen übernommen.

Dennoch: Für Autoren jedweder Art bietet der Zug etwas Einzigartiges, denn man ist ständig in Bewegung und – ganz typisch für das normal genannte Leben – man weiß nicht, wer als nächstes einsteigt und vor allem nicht, wieso.

Im Zug ist beispielsweise Franz Kafka’s “Die Verwandlung” entstanden. Bevor jetzt alle Möchtegern-Schriftsteller eine BahnCard 100 bestellen, möchte ich darauf hinweisen, dass die Kafka-Zeiten leider vorüber sind…

Am Meer schreiben

Wellenrauschen, Sonnenuntergänge, Strandspaziergänge – neben Wäldern zumindest mein Lieblingsort für kreatives Schreiben: Das Meer. Endlose Weiten, die Urgewalt schlummert leise unter dieser meist friedlichen Wasseroberfläche, tausende Meter tief reicht das salzige Nass.

Wer Großes vorhat und zum Schreiben frische Luft bevorzugt, sollte einen Schreiburlaub am Meer veranstalten. Eine Woche am Meer (Nordsee, Südsee, Ostsee – egal) ist Urlaub für Körper und Geist. Wichtig beim Schreiben ist vor allem der Geist, daher haben es die Nordlichter in Deutschland wirklich gut – so sie denn Ambitionen im Schreibgewerbe haben.

Im Knast schreiben

Erst kürzlich war jemand im Gefängnis und die ganze BILD-Welt war bestens darüber informiert. Das schreit nach einer Autobiografie. Im Knast lässt es sich sicher gut aushalten, wenn man sich einen 1000-Seiten-Roman als Ziel setzt.

Enge Zellen garantieren die Konzentration auf das Wesentliche: Deine Fantasie. Stift und Papier sollten verfügbar sein, in Deutschland leben die inhaftierten Bestsellerautoren von morgen doch recht fürstlich, wenn man den Medien Glauben schenken darf.

Auf Plätzen schreiben

Im Gegensatz zu deutschen Gefängnisszellen sind die Plätze des Landes sehr lang und sehr breit. Wer gerne an der frischen Luft, in unmittelbarer Nähe von Menschen schreibt und zu den Glücklichen gehört, die keine Platzangst haben, ist dort vermutlich sehr gut aufgehoben.

Der Blick kann über die Menschentrauben gleiten und der Stift hoffentlich mühelos folgen. Die meisten Plätze bieten vielfältige Sitzgelegenheiten, die – wenn man sich mal bewusst auf einem solchen Platz umschaut – von vielen Kreativen genutzt werden. Natürlich nimmt auch hier der Technologiewahn immer größere Ausmaße an, aber gerade diese Kleinigkeiten sind ja das Salz in der Kreativsuppe eines jeden Autors.

Am Schreibtisch schreiben

Ganz klassisch sind vermutlich auch die meisten Bestseller 2010 entstanden: Am Schreibtisch, auf Holz oder Stein, mit einer mehr oder minder gut sortierten Bibliothek im Rücken, schreiben auch heute noch Menschen, die ihre Fantasie zu Papier bringen wollen.

Ob das genannte Papier aus biologisch abbaubarem Zellstoff besteht oder durch ein digitales Werkzeug simuliert wird, spielt dabei keine Rolle.

Dieser Artikel entsteht gerade am Schreibtisch. Ich tippe ihn mit meiner Tastatur und sehe das Ergebnis in Echtzeit am Monitor. Obwohl ich jahrelang auf technische Hilfsmittel verzichtet habe, möchte ich heute den Computer als persönliche Buch-Schreib-Maschine nicht mehr missen!

Da ich jedoch kein Fan von mobilen PCs bin, um die ich mich ständig nur sorgen würde, bleibe ich täglich mehrere Stunden an meinem (digitalen) Schreibtisch sitzen und schreibe. Das macht mir Spaß. Wirklich.

PS: Einen wirklich umfassenden und fundierten Artikel zum Thema Heimbüro gibt es bei SiN (Selbständig im Netz) – Heimbüro für Selbständige im Netz

Bild CC 2.0 by Konna E. / flickr

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Sandra September 16, 2010 um 14:39

Definitiv der schönste Ort zum Schreiben, den ich bisher kennen lernen durfte, ist ein kleiner, steiniger Strand nahe Palau auf Sardinien. Das Spiel der Wellen und die dahin gleitenden Segler… Einfach schön. Schade, dass man nicht schneller schreiben – oder länger dort bleiben – kann. Aber auch am Abend im Bett, wenn in Gedanken der Tag nochmals vorüber zieht, lässt sich die ein oder andere Idee gut in Worte fassen.

Viele Grüße,
Sandra

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